Wer ist Langenthal? an Unter 30 VI – Langenthal

unter 30 VI

27. November 2008 – 4. Januar 2009

Kunsthaus Langenthal

Langenthal, Schweiz

 

Hakenkreuz aus Langenthaler Porzellan

Oben: Wer ist Langenthal?’ (‘Who is Langenthal?’) – Teil I/IV
Installation aus Langenthaler Porzellan, aus der örtlichen Porzellan-Fabrik

Als Gewinner des Kiefer-Hablitzel Stipendiums, war ich eingeladen in der Ausstellung Unter 30 VI im Kunsthaus Langenthal ein neues Werk zu präsentieren. Entsprechend meiner Vorgehensweise, setzte ich mich intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinander und entdeckte wie die Stadt in der Mitte der Schweiz immer wieder Austragungsort schweizerischer Iden- titätskämpfe um Bürgerrechte war.

Sei dies im Bauernkrieg von 1653, als Langenthal das Hauptquarti- er der Aufständischen war im Kampf gegen die Vorrechte der Burger Berns und Zürichs – oder 280 Jahre später, zu der Zeit in der die Deutschen Emigranten in der Stadt zu Reden gaben und das Gerücht umging, der neue voll-automatische Brennofen der Porzi sei für das von den Deutschen geplante Vernichtungslager, das bei Einmarsch der Nazis dort errichtet werden sollte. Bis heute, wo Langenthal die einzige Gemeinde in der Schweiz mit einem Neo-Nazi im Stadtrat ist und der von der muslimischen Gemeinde Langenthals angestrebte Bau eines Minaretts die Diskussion auslöste, welche zur Initiative für ein Verbot von Minaretten in der Schweiz führte.

„Wer ist Langenthal?“ thematisiert diese wiederkehrende Frage, wer dazugehört und wer nicht, in vier emblematischen Teilwerken. Besonders Teil I, das Hakenkreuz aus Langenthaler Porzellan, erregte mediales Aufsehen und musste, auf Druck des Leihgebers des Materials -der Porzellanfabrik Langenthal- wieder entfernt werden.

Auch Teil II wurde über Nacht vandalisiert und musste noch während der Ausstellung restauriert werden. Doch die Diskussion über das Gerücht des Porzellanofens wurde in der Öffentlichkeit ausgetragen und die Notwendigkeit einer geschichtli- chen Aufarbeitung von verschiedenen Seiten bestätigt.

Aufgrund dessen brach ein ehemaliger Spion des Bundes erstmals sein Schweigen und bestätigte gegenüber der Presse, wie das Gerücht des Verbrennungsofens als psychologische Waffe zur Einschüchterung von Nazigegnern verwendet wurde. („Er drohte, wir würden kremiert werden“, MZ 17. Dezember 2008 – Siehe: Nach ‚Wer ist Langenhal?‘).

Banner Fassade Kunsthaus Langenthal

‘Wer ist Langenthal?’ – Teil II/IV

Banner mit der Aufschrift:

‘WIR KAMPFEN UM DAS BURGERRECHT’

Installation – Fassade des Kunsthaus Langenthal

Wer ist Langenthal? – Teil III/IV

Temporäre Beleuchtung für Gedenktafel:

“Zur Erinnerung an die Landsgemeinden u. den Kriegsrat der Bauern unter Obmann NIKLAUS LEUENBERGER und CHRISTIAN SCHYBI am 16 17 18 Mai 1653 hier in diesem Hause zu Langenthal”

Installation – Fassade des heutigen Ristorante Mamma Mia Marktgasse Langenthal

‘Wer ist Langenthal?’ – Teil IV / IV

Öffentliche Diskussion zum Thema: “Wer ist Langenthal?”

Am 27. November 2008, 18.00 -20.00 Uhr Sitzungszimmer Kunsthaus Langenthal