M6.1 DIII: Off Season – Zypern

Mit M6DIII
Öffentliche Arbeit
8.-21. Oktober 2007
Nord- und Süd-Zypern

Für das zweite Projekt des M6DIII Netzwerks, folgten wir der Einladung Zypriotischer Kunstverbände, um als selbst-organisierte Künstler/innen eine alternative Mini-Version der von den ursprünglichen Manifesta Kuratoren geplanten, aber aus politisch- en Gründen gescheiterte Biennale-als-Schule im seit 1957 geteilten Zypern durchzuführen.

Während einer zehntägigen Residency bereisten wir das Türkische Nord-, und das Griechische Südzypern, wie auch die trennende, UN-verwaltete ‚Bufferzone’. Wir interviewten Kunstschaffende beider ‚Kulturen’ der Insel, besuchten Archive und Kulturstätten und dokumentierten unseren Aufenthalt im Hinblick auf eine mögliche Buchpublikation. Als eine der ersten Gruppen von Zivilisten, durften wir das Gelände der ältesten, andauernden UN-Mission am ehemaligen internationalen Flughafen von Nikosia besichtigen.

Zum Abschluss organisierten wir zwei öffentliche Events, an denen wir internationale Künstler/innen zusammen mit türkisch- und griechisch-zypriotischen Künstler/innen unsere Arbeiten präsentierten. Da einzig nicht-kommerzielle, kulturelle Anlässe wie diese vom UN-Embargo gegen Nord-Zypern ausgenommen sind, bildeten sie für einzelne Leute den ersten Anlass in ihrem Leben, dass sie die internationale Grenze zwischen den beiden Landesteilen überschritten.

Projektbeschrieb (Englisch):

As part of a network of 13 artists from across Europe, we have undergone an artistic research trip throughout Cyprus (Oct. 8-21, 2007).

The project was initiated to garner direct contact and experience the particular conditions within the two sectors of Cyprus; to permit participants the opportunity of travel and residing there in order to elaborate ideas for contributions for our collective work – a publication. Using the rough structure of an off-season tour guide, we established a non-filtered, individual and direct approach to the local context, which was essential in conserving a personal approach and direction to and through the context itself. This aspect of production is a key element of the product conception, not to create a uniform voice from the group, but to report diversities and multi-logues among a number of individuals within the same productive structures. Being as this one of the characteristics of the network we decided to involve for this project, we see this as necessary also relating to the peculiar and delicate situation of cultural production in Cyprus.

The project can be summarized as a mini-residence, with personal engagements and collective re-gatherings throughout the development of the work. Of course, to encourage and realize a proper encounter with the local community, we also held a series of public and private meetings with artists, professors, UN diplomats, the major art organizations in Cyprus, EMAA and EKATE, which are briefly listed as follows, as well as the duration of the project and its venues.

The participants arrived on October, 8th and stayed for 15 days until October, 21st. They have been accommodated in Lapta Youth Center. The scheduled part of the project included:

A public meeting in Nicosia with EKATE artists and representatives (October 13th)

a public meeting in Lefkosa with EMAA artists and representatives (October 15th)

a meeting with Professor Niyazi Kizilyürek, Associate professor for Middle Eastern and Turkish Studies, University of Cyprus.

a public meeting with press and people in the Union of Chambers of Turkish-Cypriot Architects & Engineers, Lefkosa.

Various travel and site excursions (Paphos, Famagusta, Nicosia, Kerenia, etc)

Given the fact that this project is relevant to the Cyprus situation, within which culture can set bridges for inter-communal dialogue without deeply politicized implications, it is important also to note that a confrontation between Cyprus art community and international professionals is not often developed on local basis, so also the fact of having a group of young international cultural producers to come in contact with Cypriot art institutions and structures gives an absolute importance to the present project. After the Manifesta 6 failure in 2006, which brought to the stage the difficulties of establishing cultural bridges between the south and the north side of the country, this project brings a new perspective on organization and productive developments to our context.

Black Sheep Days – Zürich

Öffentliche Arbeit
4-21. Oktober 2007
Zürich, Schweiz

Mit Viviane Mörmann

Im Vorfeld der Nationalratswahlen 2007 lancierte die SVP eine landesweite Plakatkampagne für die ‚Initiative zur Ausschaffung krimineller Ausländer’. Betroffen von dessen rassistischer Bild- sprache, entwarf ich zusammen mit Viviane Mörmann die interaktive öffentliche Arbeit Black Sheep Days.


Ausgangspunkt für die Black Sheep Days: Das Plakat der SVP-Initiative

Wir druckten das Sujet des verstossenen schwarzen Schafes auf T- Shirts, welche auf öffentlichen Plätzen in der Innenstadt Zürichs verkauft wurden. Damit gaben wir den Kunden/innen die Möglichkeit, sich visuell mit den Opfern des Rassismus der SVP Kampagne zu soli- darisieren und ein Zeichen gegen derartige Ausgrenzungsstrategien zu setzen.

Dies Stoss bei der Bevölkerung Zürichs auf grossen Anklang und es wurden innert weniger Tage tausender T-Shirts verkauft, so dass noch mehr gedruckt und der Verkauf bis zu Beginn der National- ratswahlen verlängert wurde.

Der Reinerlös aus der Aktion ging an potentielle schwarze Schafe, nämlich fremdsprachige Kinder in der Stadt Zürich.

Press Release: „Black Sheep Days“ 4-6 Oktober 2007 + 12-13 Oktober + 19-20 Oktober2007

Organisation Wir sind unabhängige Kunstschaffende und freiwillige Helfer, die nicht Partei- oder Organisationzugehörig sind.


Aktion Wir verkaufen T-Shirts mit einem schwarzem Schaf Aufdruck
vom Donnerstag den 4.10.07 bis zum Samstag den 6.10.07, jeweils
von 13-17Uhr. Standorte: Bellevue, Paradeplatz, Pestalozzianlage 
Der T-Shirt Preis beträgt 20Fr., der Gewinn geht an die KANZBI in
Zürich, eine interkulturelle Bibliothek für Ausländische Kinder und
Jugendliche.

Umsetzung Jeder Käufer wird mit seinem T-Shirt fotografiert, alle Fotos
werden auf www.release01.com veröffentlicht. Aus den Fotos wird ein
Poster gemacht, welches im Internet und in der KANZBI live zu sehen
sein wird.


Idee Eigentlich ist die Schweiz ja auch ein schwarzes Schaaf, nicht
zuletzt weil sie mit ihrer Neutralität immer wieder aus der Reihe
tanzt. Für viele Länder ist die Schweiz ein Vorbild. Nachdem Schweizer
Werbeinitiativen im Zusammenhang mit den Wahlen auch im Ausland zum
Teil als rassistisch und ausländerfeindlich bezeichnet wurden, wollten
wir die Bevölkerung dazu aufrufen Farbe zu bekennen und einmal aktiv
als schwarzes Schaf aus der Reihe zu tanzen. Black Sheep Days ist eine
spontane Aktion, welche die Integration von Ausländern unterstützen und
allen Beteiligten einen Denk-Anstoss verpassen will.


Kunst Kultur ist älter als Sprache. Visuelle Kommunikation ist ein
mächtiges Instrument, das mit Vorsicht zu gebrauchen ist. Wir
hinterfragen zeitgenössischen Werbekampagnen und fragen uns ob man das
schwarze Schaf auch mit einer positiven Botschaft assoziieren
kann. Sind nicht schwarze Schafe oft die innovativsten Seelen der
Bevölkerung?


Die Initianten Viviane Mörmann und Robin Bhattacharya sind beide
Kunstschaffende im Bereich Foto, Video, Performance, Internet. Das
künstlerische Produkt der „Black Sheep Days“ Aktion sind die T-Shirts,
die Fotos im Internet, das Schafherde-Poster und natürlich am aller
wichtigsten, die Interaktion mit der Bevölkerung.


Ankündigungs-Flyer


Kunden/innen, respektive partizipierende Bevölkerung Zürichs


Presse: Tages-Anzeiger vom 6. Oktober 2007